Während auf der einen Seite eine Art konsolidierender Aufbruch, die Wogen der Webaufregungen glättet und zeigt, daß, nimmt man die User als Menschen und Kunden ernst, gutes Geld mit den Phänomenen der Masse zu verdienen ist und das an der Weisheit der Massen zumindest in einfachen Praxismodellen (z.B.: Öffentliches Wissen) durchaus etwas dran ist, findet untergründig eine weitere sehr viel leisere, aber vielleicht um so gewaltigere Technologierevolution statt.
Das primärtypische Merkmal des Web2.0 ist der Integrationsprozess in die lineare Technologiewahrnehmung. Die neuen technologischen Methoden, die das Web2.0 als das “benutzerfreundlichere” Web gestalten lassen und die neuen Konzepte, die die Integration des Webs in alle Lebensbereiche (siehe z.B.: Eine SMS steuert die Stadt, Ubiquitous Computing) zulassen, sind eben genau hiervon ein Ausdruck: Die Idee ist da, nun wird binnenkonsolidiert (Die nächsten 10 Webtrends).
Betrachtet man dies von Innen, so lassen sich die asozialisierenden Einflüsse, die mancherorts von Außen in dieses lineare Mißverständnis hineingepresst werden möchten schon begreifen; die Angst vor der Ersetzbarkeit durch kongruent erscheinende Muster in der “analogen” Welt und innerhalb des Webs in Verbindung mit der fortschreitenden Durchdringung der digitalen Vernetzungstechniken führen zu absonderlichen Kontrollwünschen wie der Vorratsdatenspeicherung (Ich hab doch nichts zu verbergen…). Es könnte ein Tiger sein, wir sollten es in einen Käfig stecken.
Sobald man jedoch das Metafeld betritt und über die Konvergenz von Technologien jenseits des omnipräsenten Internets reflektiert, braucht es starke Nerven und weitreichende Utopien, um mit der Vielzahl der Möglichkeiten noch umgehen zu können und vielleicht eine Chance zu haben, die Gestaltungshoheit zu behalten.
Wie kann eine Welt, in der die fortentwickelten Folgen von Nanotechnologie, synthetischer Biologie, Gentechnik, Kommunikationsvernetzung, Energietechnologien, Medizintechniken, Robotik und gar künstlicher Intelligenz konvergieren aussehen?
Langzeitvorfühler zeichnen schon seit langem ein eher düster geprägtes Bild, exemplarisch ist vielleicht H.G.Wells‘ “Wenn der Schläfer erwacht” zu nennen, das schon vor deutlich über hundert Jahren eine erstaunliche Technologie-Extrapolation darstellte. Roddenberrys utopisches Bild macht aber auch gleichzeitig deutlich, wie viel schwerer es ist, eine positive, eben nicht-dystopische Projektion zu entwickeln.
Die Ethik eines Designers im 21. Jahrhundert könnte nun darin bestehen, die realisierbaren Räume aus dem Reich der Utopien zu extrapolieren, im ersten Schritt verständlich zu kommunizieren und im zweiten auszugestalten, aber natürlich auch auf entdeckte Risiken (die realisierbaren Räume aus dem Reich der Dystopien) aufmerksam zu machen.
siehe auch:
- It’s God!
- Why Design (Philippe Starck)
- Gentechnik goes Web2.0
- Beschleunigung der Unschärfe
- The Sky is the limit